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Allgemeines
Allgemeines
Bau und Funktion
der Schilddrüse Jodmangel Warum
ist Deutschland ein Jodmangelland? Es
ist leicht die Jodzufuhr zu erhöhen Wichtigste Quelle um die Jod-Zufuhr zu steigern ist jedoch der Fisch aus dem Meer (Rotbarsch, Seelachs, Makrele. Kabeljau), also keine Süßwasserfische, wie z.B. Forellen. Bei einem Verzehr von 2 mal in der Woche einer Portion Seefisch brauchen Sie sich über einen Jodmangel keine Sorgen zu machen. Der Verzehr sollte möglichst aus frischem Fisch sein oder aus tiefgefrorener Ware bestehen, da verarbeitete Produkte kaum mehr Jod enthalten. Braten vernichtet weniger Jod als Kochen. Unterteilung der Schweregrade des Jodmangels anhand der Jodausscheidung im Urin (WHO)
In
Deutschland besteht ein Jodmangel I. oder II. Grades. Die mittlere
Jodausscheidung im Urin beträgt in Deutschland meist zwischen 40-60g/g
Kreatinin.
Epidemiologische
Untersuchungen zeigen, dass das früher berichtete erhöhte Kropf- vorkommen
in den südlichen Bundesländern im Vergleich zu den nördlichen Bundesländern
nicht besteht. Etwa 50% der Menschen beheben ihre Jodarmut mit einem
Kropf. Ein Jodmangel-Kropf entsteht, wie der Name sagt, aus dem Mangel
an Jod. Steht nicht genug Jod zur Verfügung, kann kein Schilddrüsenhormon
gebildet werden. Folglich sinkt der Spiegel im Blut. Dieser Mangel
wird an das Gehirn zurück gemeldet, das die Schilddrüse animiert mehr
Hormone für den Stoffwechsel zu produzieren. Um sich dieser Situation
zu stellen wächst die Schilddrüse, um auch das letzte Jod des Körpers
auszunutzen. Es entsteht also aus einem Zuwenig an Jod ein Zuviel
an Gewebe. Das heißt, die Schilddrüse versucht bei einem dauerhaften
Jodmangel diesen über ein Wachstum zu kompensieren. Einteilung
der Kropfgröße anhand des Tastbefunds nach Empfehlung der WHO
(Quelle: Allolio, Schulte; Praktische Endokrinologie, 1996, S. 148) Wie
lange ein Kropf wächst, hängt wohl vom Grad der Jodverknappung ab und
davon, in welchem Maße das Joddefizit die Schilddrüse zum Wachsen zwingt.
Wann aber ein Jod- mangelzustand erreicht ist und wann noch nicht, ist
individuell definiert. Die Fähigkeit der Zellen zur Jodverwertung ist
von Mensch zu Mensch verschieden. Ein Kropf kann viele Jahre bestehen,
bevor es zu Fehlfunktionen kommen kann. Behandelt man ihn nicht, treten
diese fast immer auf, z. B. als Schilddrüsenüberfunktion.
Werden in der Schilddrüse zu viele Schilddrüsenhormone gebildet, dann kommt es zu einer Überschwemmung des Körpers mit Schilddrüsenhormonen, und es entsteht das Krank- heitsbild der Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Diese Beschwerden können bei Schilddrüsenüberfunktion auftreten
(Quelle:
Pfannenstiel etal; Schilddrüse, 1999, S. 134-136) Herz-Kreislauf-System: Schneller
und manchmal unregelmäßiger Puls, leicht erhöhter Blutdruck. Haut: Die
Haut ist warm, samtartig, Sie schwitzen viel. Kühlere Räume werden
bevorzugt, Betroffene kleiden sich leicht. Die Nägel brechen leicht
und beim kämmen ist ein hoher Haarverlust zu verzeichnen. Das Haar
ist seidenweich, es "sitzt" nicht . Magen-Darm: Neigung
zu Durchfällen oder häufigen Stuhlentleerungen. Der früher festgeformte
Stuhl ist jetzt weich. Muskulatur
und Knochensystem: Mäßiggradige
Osteoporose möglich, Muskelschwäche, Muskelschmerzen und Spannungs-
gefühl.
Blut:
Leichte
Blutarmut Hormonsystem
und Stoffwechsel: Menstruationsstörungen,
Verminderung von Libido und Potenz Bei unzureichender Behandlung
in der Schwangerschaft drohen Aborte, Frühgeburten oder Missbildungen. Nervensystem: Es
tritt Nervosität auf. Sie können sich schlecht beherrschen. Unruhe,
unmotivierte Bewegungen und Schlafstörungen sind häufig. Die Erregbarkeit
kann sich zu schweren psychotischen Zuständen steigern. Kropf:
Oft
besteht eine Schilddrüsenvergrößerung, oder sie bildet sich gleichzeitig
mit der Überfunktion. Ein sichtbarer Kropf kann auch mal fehlen. Augen: Bei
Morbus Basedow kann Tränenfluss, Fremdkörpergefühl, Lichtscheuheit,
Rötung und hervortreten der Augen auftreten. Die Schilddrüsenüberfunktion ist z.B. Ausdruck sich selbstständig gemachter Schilddrüsenareale, die sich vom Gewebe abgrenzen und autonom werden. Sie kann aber auch von einem Morbus Basedow verursacht sein. Insgesamt machen diese beiden Krankheiten 95% der Hyperthyreosen aus. Ursachen der Schilddrüsenüberfunktion
Autonomie Unter dem Begriff Autonomie versteht man die Unabhängigkeit bestimmter Funktionen von regulativen Einflüssen. Bei der Schilddrüse entziehen sich die Zellen der Regulation und bilden ungehemmt Hormone. Diese Zellen werden zu "Knoten", die vor Produktionseifer heißlaufen. Die Autonomie kann als einzelner Knoten (unifokale Autonomie oder autonomes Adenom) in Form von mehreren Knoten (multifokale Autonomie) oder als verstreuter Zellhaufen (disseminierte Autonomie) vorkommen. Eine Autonomie entwickelt sich zwar bevorzugt in älteren Kröpfen, findet aber nicht selten auch in normal großen Schilddrüsen statt. Also sind auch Menschen ohne Kropf nicht vor einer Überfunktion durch Autonomie sicher. Morbus
Basedow Wenn
hinter der Überfunktion keine Autonomie steckt, spricht vieles
dafür, dass ein Morbus Basedow vorliegt. Hierbei handelt es sich
um eine sogenannte Autoimmun- erkrankung: Dabei werden verschiedene
Abwehreiweiße (Antikörper) der körpereigenen Polizei gegen die
Zellen der Schilddrüse gebildet. Das heißt, das Immunsystem, sonst
Schützer gegen Krankheiten, die von außen und innen über den Körper
hereinbrechen, ist hier selbst ein Glied der Ursachenkette. Die
Schilddrüse "denkt", dass es sich bei den Antikörpern um stimulierendes
Schilddrüsensteuerhormon (TSH) handelt und geht in die Produktion
von Hormonen. Dadurch kommt es zur Überfunktion. In 60 % der Fälle
haben Patienten mit der Basedow'schen Krankheit stark hervortretende
Augäpfel. Auf dem Lymphwege dringen diese Abwehreiweiße in die
Tiefe der Augenhöhlen vor. Auch hier läuft der autoimmune Prozess
ab. In seltenen Fällen ist ein drittes Areal betroffen: Die vordere
Hauptpartien der Unterschenkel. Warum die körpereigene Polizei
sich plötzlich selber angreift, ist noch nicht geklärt. Die Ursache
steckt wohl zum einen in den Genen, aber auch psychische und hormonelle
Prozesse scheinen eine Rolle zu spielen. Die
häufigsten Befindenstörungen bei der Basedow'schen Krankheit sind
psychischer Natur. Medikamentöse
Therapie Der
Morbus Basedow neigt als Autoimmunerkrankung zur Selbstheilung.
Zur Überbrückung bis zur Rückbildung der Krankheitsprozesse ist
die medikamentöse Therapie sinnvoll. Beim Morbus Basedow wird
deshalb die thyreostatische Langzeittherapie bevorzugt. Die Dauer
des Bestehens ist von entscheidender Bedeutung für die Auswahl
der optimaler Therapie- form. Patienten mit "frischer" Hyperthyreose
wird man in der Regel medikamentös be- handeln. Bestehen nach
1-2 Jahren noch Hinweise, dass unbehandelt immer noch eine Hyperthyreose
vorliegen würde, sollte eine operative Therapieform in Betracht
gezogen werden. Thyreostatika sind Schilddrüsenhemmer, die die
Hormonproduktion drosseln, indem sie die Schilddrüse an der Jodaufnahme
hindern. Die Autonomie bildet sich unter Thyreostatika nicht zurück, insofern dient hier die Thyreostatika-Therapie in der Regel als Vorbereitung einer definitiven Therapie (Operation oder Radiojod). Schilddrüsenhemmer drosseln die Herstellung der Hormone, aber nicht die, die bereits produziert wurden und im "Lager" sind. Von daher tritt eine verzögerte Wirkung ein. Eine Zeit lang, die von ein bis drei Wochen reicht, bleiben die beunruhigenden Symptome bestehen. Manchmal werden neben Schilddrüsenpräparaten auch Beruhigungsmittel verordnet. Die Einstiegsdosis richtet sich nach dem Patienten und dem Wirkstoff des Schilddrüsenhemmers. Wenn sich nach 4 - 6 Wochen die Beschwerden normalisieren, wird die Dosis des Schilddrüsenhemmers unter ärztlicher Kontrolle so vermindert, dass die Schilddrüsenhormone im normalen (euthyreoten) Bereich und das schilddrüsenstimulierende Hormon (TSH) im unteren Normalbereich liegen.
Schwangerschaft
und Stillzeit Eine
mütterliche Hyperthyreose während der Schwangerschaft kann einhergehen
mit einer erhöhten Fehlgeburts- und Missbildungsrate. In der 10-14.
Schwangerschaftswoche beginnt die Hormonproduktion des Fetus.
Die Dosis eines thyreostatischen Medikamentes muss möglichst niedrig
gehalten werden. Im letzten Schwangerschaftsdrittel bessert sich
eine Hyperthyreose oft spontan. In
der Stillzeit ist eine Jodtherapie bei Jodmangelkropf nur gut.
Schilddrüsenhemmmer aber gehen in die Muttermilch über. In der
Stillzeit ist das Thyreostatikum Propylthiouracil das Mittel der
Wahl (Fachinformation Propycil, Punkt 5 Gegenanzeigen), da die
Konzentration der Milch höchstens ein Zehntel der mütterlichen
Blutserum-Konzentration beträgt. Nichts
desto trotz sollten die Gynäkologen, Schilddrüsenspezialisten
und Kinderärzte hier zusammenarbeiten Auswirkungen
der Therapie War
die Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion erfolgreich, sinkt
die Hormonproduktion, der Stoffwechsel normalisiert sich und das
Körpergewicht nimmt wieder zu. Manchmal sogar über das alte Maß
hinaus, da die Eßgewohnheiten noch auf die erhöhte Stoff- wechsellage
zugeschnitten sind. Bleibt
auch zu bedenken, dass eine erst mal vorhandene Muskelschwäche
Zeit braucht, bis sie wieder behoben ist. Ein sofortiges Umherspringen
ist damit nicht zu erwarten. Ruhe
und Schonung Einer überdrehten Schilddrüse kann man mit Ruhe und Schonung entgegentreten. Schlafen und spazieren gehen tun den Patienten gut. Den Angehörigen wird hier viel Verständnis abverlangt, da äußerlich alles normal aussieht, im Inneren aber noch ein Sturm tobt. Des weiteren sollten Sonnenbäder und Sport vermieden werden. Selbstverständlich gehört auch das Rauchen zu den Dingen, die unterlassen werden sollten. Vermeidung
von Jod Bei
einer Schilddrüsenüberfunktion sind jodhaltige Nahrungsmittel tabu.
Hochseefisch sollte nicht auf dem Menüplan stehen. Aber da vorher
ein Jodmangel aufgrund der Ernährung entstand, wird das nicht das
Problem sein. Radiojodtherapie
Operation
Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) Ganz im Gegensatz zur Überfunktion, steht hier dem Körper zu wenig Schilddrüsenhormon zur Verfügung. Ursachen sind angeboren, entstanden durch Entzündungen oder extreme Jodmangelsituationen. Die Schilddrüsen Unterfunktion (Hypothyreose) entwickelt sich allmählich. Da sämtliche Körperzellen vom Schilddrüsenhormon abhängig sind wirkt sich deren Mangel auch überall aus. Über 2/3 der Patienten klagen über Leistungsminderung, Schwäche, Lethargie, Müdigkeit, Frieren, Verstopfung, Gedächtnisverminderung. Der insgesamt herabgesetzte Stoffwechsel gepaart mit körperlicher Untätigkeit, aber gleicher Nahrungszufuhr, führt dann zum Übergewicht. Weitere körperliche Befunde drücken sich aus in Wassereinlager- ungen, in den Lidern sorgt das Wasser für Schwellungen. Die Finger werden dick. Die Haut wird trocken und blass und manchmal auch fleckig. Behandlung
der Schilddrüsenunterfunktion Da die Schilddrüsenunterfunktion die Auswirkung des Mangels an Hormone ist, besteht die Therapie aus der Gabe von Schilddrüsenhormonen wie z. B. Thyroxin (T4).Das synthetisch hergestellte Hormon ist dem körpereigen identisch, so dass bei richtiger Dosierung keine Nebenwirkungen zu erwarten sind.
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